Begleitwort von Angelika Pick, Leiterin der Lore-Lorentz-Schule
Eine Exkursion zu den Schrecken der Vernichtung nationalsozialistischer Gewaltherrschaft – eine pädagogisch zeitgemäße Maßnahme?
Anforderungen an Schulen haben einen deutlichen und sichtbaren Wandel erlebt. Wir Pädagogen und Pädagoginnen erfahren diese Veränderungen auch durch neue Aufträge, die wir zu erfüllen haben. Im Mittelpunkt steht dabei das Lernen selber. Viele Gründe lassen sich dafür zitieren, dass wir heute einen Prozess der Standardisierung erfahren. Nicht nur zentrale Abschlussprüfungen sind ein Indikator für diese Entwicklung. Was gelernt werden soll und wie der Erfolg zu überprüfen ist, wird normiert. Messbarkeit und Vergleichbarkeit von Ergebnissen bis hin zum Ranking von Schulen sind neue Werte, der das inhaltliche und pädagogische Handeln aller Schulen sich anzupassen hat und unser Handeln deutlich prägt.
Dieser neuen Ausrichtung folgen in der Regel auch Studienfahrten. Es muss etwas gelernt werden. Und selbstverständlich muss auch dieser Lernerfolg messbar sein, mit Punkten zu versehen und in eine Lernerfolgskontrolle zu „gießen“ sein.
Unsere Kollegen, denen es gelungen ist, Exkursionen nach Auschwitz zum Bestandteil unseres Schulprogramms zu machen, hatten und haben den Mut, den Begriff Studienfahrt nicht zu verwenden und beweisen auch dadurch einen wertvollen pädagogischen Anspruch.
Ist eine Exkursion nach Auschwitz eine zeitgemäße pädagogische Maßnahme? Ganz sicher ist sie es nicht, wenn ich die modernen Indikatoren der Messbarkeit und Standardisierung von Lerninhalten und Kompetenzen als Maßstab anlege.
Wer ernsthaft den Versuch unternehmen wollte, abfragbare Ergebnisse einer solchen Fahrt durch einen Test zu überprüfen, müsste scheitern.
Zu Vieles zu Wertvolles haben die jungen Menschen erlebt und dokumentiert. Zu individuell sind die Erlebnisse und Empfindungen, welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in eindrucksvollen Notizen festgehalten haben.
Wer sein pädagogisches Ziel, die Menschenwürde zu wahren und aus der Geschichte zu lernen, dem Zwang der normierten Überprüfbarkeit glaubt, unterwerfen zu können, kann nur auf die traditionelle und bewiesen wenig ergiebige Arbeit mit Schulbüchern zurückgreifen.
Wer aber darauf verzichten wollte, durch eigene emotionale Erlebnisse einen persönlichen Zugang zu persönlichen Entscheidungen und eigener Verantwortung zu ermöglichen, beginge eine unverzeihliche pädagogische Sünde.
Je mehr unser Alltag in der Schule durch kleinschrittig messbare Erfolgskontrolle bestimmt wird, um so mehr ist es erforderlich, Exkursionen wie diese zu ermöglichen, die Erleben und Gefühl nicht nur zulassen, sondern geradezu zum Ausgangspunkt für verantwortungsvolles Handeln machen.
Ist eine Exkursion nach Auschwitz also eine zeitgemäße pädagogische Maßnahme?
Mein entschiedenes „JA“ bekräftigt den Wunsch, gerade jetzt diesen Raum für Erfahrung zu wahren und fortzusetzen.
Von Herzen bin ich unserem Kollegen Buschmann, der Motor und Herz zugleich ist, dankbar dafür, dass er unseren Schülern und Schülerinnen diese Erfahrung immer wieder ermöglicht.
Dank sage ich auch Herrn Steller, der diese Broschüre erstellt hat, und allen Kollegen und Kolleginnen, die sich trotz des anspruchsvollen und gedrängten Alltags Zeit nehmen, um diese Exkursionen vorzubereiten und zu begleiten.
» Das Leerbuch 2009 [13.057 KB]
- Bericht zur Exkursion nach Auschwitz / Birkenau im August 2009
Lore-Lorentz-Schule/Düsseldorf; Uni-Wuppertal; Karl-Schiller-Berufskolleg Dortmund
Wuppertal; Karl-Schiller-Berufskolleg Dortmund
» Schulpreis 2010 in DüsseldorfDritter Platz und 300 Euro
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