Entwicklung eines neuen Zeitmessverfahrens für Laufveranstaltungen.
Kein Stau mehr beim Zieleinlauf
Physikalisch-technischer Assistentin/Assistent mit AHR und FHR in Zusammenarbeit mit dem Bildungsgang Abitur und Freizeitsportleiterin/Freizeitsportleiter
Seit einem Jahr tüftelt Tobias Bünting aus der 13 NP, angehender Physikalisch-technischer Assistent mit allgemeiner Hochschulreife, zusammen mit Lukas Püllen (13 NF) und Kim Preiß (12 NP) an einem Zeitmesssystem für Laufveranstaltungen. Ende November wurde das Projekt in der Rheinsporthalle in Düsseldorf der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Besucher und Teilnehmer waren begeistert.
Inzwischen haben die drei Schüler beim Regionalwettbewerb und beim Landeswettbewerb von Jugend forscht gewonnen.
Schüler des Lore-Lorentz-Kollegs stellten ihr selbst entwickeltes Messsystem für Laufveranstaltungen vor
Mit einem Siegerlächeln durchs Ziel
Von JASMIN MICHELS
Wir kennen es vom Supermarkt: In Sekundenschnelle schiebt die Verkäuferin unsere Waren über den Scanner, der sie unter Piepsen registriert. Ähnlich funktioniert das Messsystem, das Schüler des Lore-Lorentz-Kollegs entwickelten und gestern in der Halle am Rheinstadion vorstellten.
Doch das identifizierte keine Waren, sondern sich bewegende Objekte: Läufer. "Ein Scanner erkennt sie anhand der Codenummern an ihrem Hosenbund", erklärte Sportlehrer Jochen Arnold. Im selben Moment, in dem ein Läufer durchs Ziel ging, erschienen sein Name, seine Laufzeit und seine Platzierung auf einem Bildschirm. Gleich darauf druckte der Computer eine Urkunde mit Foto des Teilnehmers aus. Dafür sorgte eine eigroße Kamera und ein Schild mit dem Hinweis: "Bitte in die Kamera gucken". "Anders als bei von Hand durchgeführten Messungen müssen die Läufer nun nicht mehr ewig auf ihre Ergebnisse warten", sagte der 18-jährige Kim Preiß. Er entwickelte das Messgerät zusammen mit Tobias Bünting und Lukas Püllen innerhalb von einem Jahr. "Ähnliche Messgeräte gibt es schon", räumte er ein. Aber dieses sei dennoch einzigartig. "Wir haben die Software von Null an selbst programmiert", berichtete Preiß stolz.
Seinen eigentlichen Zweck hat das System bereits erfüllt: Die Sportschüler des Berufskollegs wünschten sich ein zuverlässiges Messsystem für ihre Schulmeisterschaft und wandten sich mit ihrem Anliegen an die Schulkollegen vom Physikalisch-technischen Ausbildungsgang. Nachdem es sich bei der Meisterschaft bewährte, soll das Gerät auch für weitere Veranstaltungen, etwa den Kö-Lauf, benutzt werden.
Die Sport-Schüler sind mit dem Ergebnis zufrieden. "Die Messungen sind viel genauer", stellte Robin Weins, Gewinner der Schulmeisterschaft fest. Für gute Laune und Motivation sorgte die neue Errungenschaft obendrein: Mit Zurufen wie "Move it" (Beweg dich) oder "Hurry it on" (Beeil dich) feuerte der Computer die vorbeiziehenden Läufer an. Jetzt müssen die Sportler des Berufskollegs nur noch am Siegerlächeln arbeiten, um auf der Urkunde auch eine gute Figur zu machen...
Das neue Gerät erkennt die Läuferin an ihrer Chipkarte.
Presseecho - WZ - 27. November 2003
Vom Ende der Stoppuhr: Kein Stau mehr im Zieleinlauf
Schüler des Lore-Lorentz-Berufskollegs entwickelten ein neues Zeitmessverfahren für Laufveranstaltungen. Die Ergebnisse können direkt abgelesen werden.
Von Kathrin Handschuh
1:45 Minuten prangt in bunten Zahlen auf dem Fernseher. Ein wenig außer Atem steht Mario Kotzur neben der Tartanbahn in der Leichtathletikhalle am Rheinstadion. Der Schüler des Lore-Lorentz-Berufskollegs siegte im 400-Meter-Lauf. Während er sich nach dem Schlussspurt locker ausläuft, nimmt er bereits seine Urkunde mit dem Zielfoto entgegen.
Mit dem Testrennen stellte die Schule gestern ihr neues Zeitmesssystem vor. Die Sportler tragen dabei einen so genannten Transponder (eine Art Strichcode) am Körper, der die Daten direkt an den Computer sendet. Jedesmal wenn die Läufer die Antenne im Zielbereich passieren, werden sie von einem Scannen erfasst. Die neue Technik ist weniger zeit- und arbeitsintensiv: Die Schüler brauchen die Ergebnisse nicht mehr mühsam mit der Stoppuhr zu messen und in Listen einzutragen. Bisher konnte ein Teil der Teilnehmer bei Massenveranstaltungen, wie beispielsweise dem Kö-Lauf, gar nicht ins Ziel kommen, weil dort ein Pulk von Läufern wartete, der erfasst werden musste. "Das ist ziemlich frustrierend", sagt Tobias Bünting, Mitentwickler des Projekts, der am Berufskolleg seinen Abschluss als Physikalisch-technischer Assistent macht. Schlechte Erfahrungen mit dem manuellen Messsystem sammelten die Schüler selbst in den vergangenen Jahren bei der traditionellen Schulmeisterschaft am Unterbacher See. "Da waren wir drei Stunden später noch damit beschäftigt, die Ergebnislisten zu vervollständigen", sagt Büntings Mitstreiter Kim Preiß. Auch könne man dabei nicht garantieren, dass Namen und Zeiten völlig fehlerfrei notiert werden. Schüler feilten ein Jahr an der Technik.
Das neue System schließt nicht nur Missverständnisse aus, sondern bietet auch den Zuschauern einige Vorteile: Sie können an einem Bildschirm sehen, welcher Läufer jeweils in Führung liegt. Eingeblendet werden sowohl Name und Startnummer des Athleten als auch die Zwischen- und Endzeiten.
Eine ähnliche Technik wird zum Teil bereits bei Marathonveranstaltungen verwendet, bei denen die Teilnehmer jeweils über einen Chip registriert werden. "Aber unser System gibt es bisher noch nicht", betont Kim Preiß.
Rund ein Jahr lang hat das Entwicklungsteam an dem modernen Zeitmessgerät gefeilt. Entscheidend war dabei auch der pädagogische Aspekt: Bei der Projektgruppe arbeiteten die Fachbereiche Sport und Physik-Technik eng zusammen. Während die Schüler die Software entwickelten, stellten verschiedene Firmen die notwendige Hardware, die Antenne und das Lesegerät zur Verfügung. "Ein eigenes Equipment ist ja sehr teuer", sagt Kim Preiß. Nun hoffen die Schüler darauf, dass sie auch außerhalb des Lore-Lorentz-Berufskollegs Gelegenheit haben werden, ihr neues Messsystem einzusetzen. "Vielleicht bekommen wir ja in Zukunft Aufträge bei Sportveranstaltungen", hofft Kim Preiß
Presseecho - NRZ - 26. November 2003
Mit Chip auf der Hüfte durchs Ziel
LEICHTATHLETIK / Auszubildende der Lore-Lorentz-Schule
entwickelten eine neue Zeitmessanlage für Laufveranstaltungen
BERN WARD FRANKE
Bei Laufveranstaltungen mit größeren Teilnehmerfeldern ist seit langen schon bei der Erfassung der Laufzeiten und Platzierungen Computertechnik im Einsatz. Wobei sich nur solche Veranstalter die "Chip-Zeitmessung" leisten können, die über einen großen Etat verfügen.
Mit Hand und Kampfrichter-Augen
Der (Lauf-)Alltag sieht aber anders aus, es fehlt nicht an vielen Startern, aber meist an der modernen (bezahlbaren) Technik, um dem Ansturm auf der Ziellinie auch wirklich Herr zu werden. Wie beim Kö-Lauf werden die Zeiten in der Regel mit der Hand und Kampfrichter-Augen ermittelt, dann in einer Liste zugeordnet und schließlich per Hand in den Ergebnis-Computer eingegeben. Fehler und andere Unzulänglichkeiten sind dabei oft an der Tagesordnung.
Es muss doch auch anders gehen, erheblich preiswerter und dennoch technisch sicher, sagten sich drei Auszubildende der Lore-Lorentz-Schule. Tobias Bünting, Kim Preiß und Lukas Püllen ertüftelten eine Zeit-Messanlage, die es für etwa 8.000 Euro bisher noch nicht gab. In der Rheinstadionhalle wurde sie nun vorgeführt und bestand die Probe genauso klaglos wie schon beim Schullauf der Schule um den Urdenbacher See mit etwa 200 Startern.
Statt eines teuren in die Schuhe zu bindenden Chips gibt es einen dünnen Klebechip, der als Transponder in Hüfthöhe auf die Sportkleidung geklebt wird, und der bei der Zielpassage von einer Antenne erfasst wird und die Daten an den Rechner weiter gibt. Der Name des Läufers, die gemessene Zeit wird von der Software im Computer registriert. Das Ergebnis mit den Zeiten und Platzierungen wird auf einem Großbildschirm dargestellt, sodass jeder Läufer sofort Rang und Zeit für seine Leistung ablesen kann.
Bei der Anlage der Lore-Lorentz-Schule ist es sogar möglich eine digitale Kamera anzuschließen, die ein Bild des Läufers festhält. Dieses kann unmittelbar auf die Urkunde mit aufgedruckt werden - als Erinnerung an das Laufereignis.
Die Anlage der Düsseldorfer Schule hat neben den Kosten viele Vorteile. Sie kann von lediglich zwei Bedienern gesteuert werden, die statt eines aufwändigen Wettkampfbüros selbst die Ergebnislisten und Urkunden drucken.
Unter den Experten fand die Anlage viel Lob. Hansi Schmidt (DSV 04), der selbst die elektronische Zeitmessanlage für die Leichtathletik-Sportfeste professionell betreibt, denkt bereits an eine Erweiterung seines Equipments nach. Ob die Messanlage der Schule ein Unikat bleibt, oder ob sie von einer Firma gebaut und vertrieben wird, ist derzeit noch nicht geklärt. Marktchancen hätte sie sicherlich.
Presseecho - Rhein-Bote - 26. November 2003
Kim, Tobias und Lukas machen
den Stoppuhr-Preisen Beine
Schüler entwickelten ein kostengünstiges Zeitmess-System
Nach einem Jahr Entwicklungsarbeit ist es soweit: das neue Zeitmess-System für Wettläufe läuft. Beim Abschluss der Projektwoche in der Lore-Lorentz-Schule erklärten die "Erfinder" Lukas Püllen (Mitte), Tobias Bünting (3.v.r.) und Kim Preiß (vorne) ihren Mitschülern, wie das System funktioniert. Foto: N. Ost
Die Anzahl der Stunden, die Tobias Bünting, Lukas Pullen und Kim Preiß in ihr Projekt gesteckt haben, können sie gar nicht mehr zählen. Der Erfolg entschädigt für alle Mühen: Die Schüler der Lore-Lorentz-Schule haben ein neues Zeitmess-System für Wettläufe entwickelt.
Angefangen hat alles vor einem Jahr. Sportlehrer Michael Peters fragte bei seinem Kollegen Joachim Berndt nach, ob es nicht möglich sei, ein Zeitmess-System für Laufveranstaltungen zu entwickeln, das die Auswertung vereinfache. Als der Lehrer für Physik und Technik in der Projektwoche seinen Schülern davon erzählte, waren Tobias Bünting und Kim Preiß Feuer und Flamme. Ihr Engagement ging dabei weit über die Schulstunden hinaus. "Unser Hobby ist die Informatik, deswegen machte es uns auch nichts aus, zu Hause weiterzuarbeiten. Oft fehlt in der Schule die Aufgabe, und jetzt hatten wir ja ein konkretes Ziel. Außerdem haben wir dabei noch jede Menge gelernt", erzählt Tobias Bünting.
Ziel war es, bis zur Schulmeisterschaft im 5000-Meter-Lauf ein System zu entwickeln, das automatisch die Zeiten der Teilnehmer stoppt und es ermöglicht, die Auswertung des Laufes in einer Tabelle auszudrucken. Bis die beiden zu ihrer jetzigen Lösung fanden, war es ein weiter Weg. Dazwischen lagen etliche gescheiterte Versuche, Anfragen bei Firmen über die notwendige Technik und viele Stunden, in denen sich die beiden berieten, was als nächstes passieren musste.
Schließlich fanden die Schüler in den Firmen Bieber und Siemens Sponsoren, die ihnen die nötigen Hilfsmittel zur Verfügung stellten. Das fertige System funktioniert dagegen denkbar einfach. "Jeder Läufer erhält vor dem Start einen Transponder, das ist eine Art Sender, den er an seiner Kleidung befestigt. Am Ziel steht ein Empfänger, der die Signale des Transponders empfängt und die Daten an einen Computer weitergibt", erklärt Kim Preiß. Mit dieser einfachen Lösung gaben sich die Schüler jedoch nicht zufrieden. Lukas Pullen, der inzwischen zu der Truppe gestoßen war, ermöglichte es kurzerhand, mit einer Webcam auch ein Zielfoto zu erstellen.
Den Testlauf bei der Schulmeisterschaft im Sommer überstand das System mit Bravour, jetzt wagen die drei Erfinder den Schritt in die Öffentlichkeit. Erste Ansprechpartner waren schon im Vorfeld, begeistert: Das Sportamt meldete Interesse an, das System zu nutzen und die Firma Bieber erklärte sich spontan bereit, weiter die Technik zur Verfügung zu stellen. Auch die Anmeldung bei "Jugend forscht" läuft. Darauf sind die drei Schüler stolz. Von ihren Plänen lassen sie sich aber nicht abbringen. Tobias will im nächsten Jahr ein Studium der Elektrotechnik beginnen, Lukas interessiert sich mehr für Physik und Kim strebt ein Maschinenbaustudium an.
Der 500.000 cm-Lauf
500.000 cm. Kaum zu ertragende Belastungen, jenseits aller menschlichen Vorstellungskraft. David gegen Goliath. Phantasie ist zu plastisch, um sich vorzustellen, welches Martyrium der Körper durchläuft.
Odyssee der Neuzeit, eine Geißel, auf der Jagd nach der sagenumwobenen Ziffer "1". Nachdem ich mich mitsamt Transponder und Startnummer 118 am Start aufgestellt hatte, sprühte ich vor Adrenalin. Ich hatte in den Ferien satte zwei Mal meine Freizeit dem Training für den Wahnsinn geopfert. Die Erwartungen konnten also nur hoch sein. Nachdem ich bekanntgegeben hatte, dass ich plane den See in 12 Minuten zu umrunden, musste ich mich zwangsläufig etwas beeilen. Der erste Kilometer stellte kein Problem für mich dar - leicht wie in Ikarus' Schuhen glitt ich über den Weg. Die Kondition, die ich mir antrainiert hatte, schien jedoch im Sumpf von Fastfood und mit Süßstoffen versetzten, populären Getränkeprodukten amerikanischer Konzerngiganten, welche ich in den letzten Tagen zu meinem Bedauern häufig konsumiert hatte, versunken zu sein. Seitenstechen zwang mich, kurz zu pausieren. Nach der Regeneration hielt mich der, in meinem Ohr ansässige, für andere Menschen unsichtbare, Drill Instructor an, weiter zu laufen.
Mühsam schleppte ich meinen walrossartigen Körper über die 4 km-Grenze. Dann immer weiter. Nur noch 100 Meter. Ich erblickte erfahrene, unlängst aus der Zielgeraden herantrottende Langstreckenläufer, welche nicht nur physisch am anderen Ufer zu stehen schienen. Bloße 50 Schritte noch, um mich von meinen Tantalusqualen zu erlösen. Die letzten Sekunden. Mein Leben begann rückwärts an meinem inneren Auge vorbeizuziehen. Ein Sprint noch, übrige Reserven mobilisieren, den kaum zu erkennenden Zieleinlauf finden, und in das Gesicht des väterlich und zufrieden lächelnden Herrn Keil schauen. 24 Minuten, knapp über 12 Minuten. Ich machte mir nichts draus. Wir alle wissen: doppelt hält besser. All die schwitzenden Menschen um mich herum, die an Plastikbechern nippen und früher ins Ziel gekommen sind, lachen mich innerlich aus. Ich sehe es gelassen, laufe ein paar Meter, um dem händereibenden, hämisch grinsenden Muskelkater vorzubeugen und lasse mich ins Gras fallen. Der Terror hat ein Ende. Bis zum nächsten Jahr. Dann aber 12 Minuten. Mindestens.von finn stroeks
