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Als erstes Berufskolleg in Düsseldorf bietet die Lore-Lorentz-Schule ihren Schülern ein Praktikum in den Niederlanden an. Das Projekt wurde mit der Bezirksregierung und einem niederländischen Partner umgesetzt.
ELLER – Die Busfahrer in Venlo sind netter als in Düsseldorf. Dessen ist sich Eduard Pelz (23) ganz sicher. Fünf Wochen lang fuhr der Schüler der Lore-Lorentz-Schule täglich mit dem Bus von Venlo-Zentrum in die Bohrmaschinen-Firma im Industriegebiet der niederländischen Stadt - und immer fragte ihn ein freundlicher Busfahrer, wie es ihm gehe. Eduard Pelz ist einer der 14 Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Lore-Lorentz-Schule, die als Düsseldorfer Pioniere ein Berufspraktikum in den Niederlanden absolvierten. An der Lore-Lorentz-Schule sind sie für den Bildungsgang Kaufmännische Assistenten für Fremdsprachen eingeschrieben, der ebenfalls erstmals angeboten wird.

Kontakte zu Limburg
Wenn die Jugendlichen mit der Schule fertig sind, haben sie nicht nur die Fachhochschulreife, sondern sind kaufmännische Assistenten für die Fremdsprachen Englisch und Niederländisch. Zum praktischen Teil des Bildungsgangs zählen zehn Wochen Praktikum - davon vier in den Niederlanden. In der Bohrmaschinen-Firma in Venlo war man mit Praktikant Eduard allerdings so zufrieden, dass er noch eine Bonus-Woche länger blieb.
Dass die Schüler die Chance haben, ihre Niederländisch-Kenntnisse bei Praktika in Rotterdam, Venlo und Roermond anzuwenden, verdanken sie dem Regierungspräsidenten Jürgen Büssow und ihrer Lehrerin Gertrud Robrecht. Die Koordinatorin des Bildungsgangs Kaufmännische Assistenten für Fremdsprachen knüpfte Kontakte zu einem Ausbildungszentrum in der Region Limburg, ließ sich von allerlei Hürden nicht abschrecken und steckte ihre Schüler mit der eigenen Begeisterung an. Sie brachte sich selbst Niederländisch bei und absolvierte dann die offizielle Prüfung, um die Sprache auch unterrichten zu dürfen. Als ihre Schüler eine Absage nach der anderen für ihre Praktika bekamen, nahm sie die Sache in die Hand. „Für die Niederländer ist es ungewöhnlich, dass ein Praktikum nicht mehrere Monate dauert", erläutert sie. Dank ihrer Hartnäckigkeit aber halfen erst der Bürgermeister von Venlo und dann ein Ausbildungszentrum bei der Vermittlung von Plätzen. Eduard Pelz kam in der Marketing-Abteilung der Bohrmaschinen-Firma unter, seine Klassenkameradin Mona Nietsche in einem Gesundheitszentrum, andere Schüler in Logistik-Unternehmen, Consulting-Firmen oder Personalvermittlungsfirmen. „Es war klasse", erzählt Mona Nietsche (19). „Die Niederländer sind sehr nett, und es war eine Super-Erfahrung, die fremde Sprache bei der Arbeit anwenden zu können." Anfangs habe sie sich noch ein bisschen geniert, sei dann aber immer lockerer geworden, auch am Telefon.
Lehrerin Gertrud Robrecht hielt in der ganzen Zeit per Mail und Telefon Kontakt zu ihren Schülern, gab auch schon mal Tipps für das tägliche Leben im fremden Land. „Man muss die Schüler auch auf die kulturellen Unterschiede vorbereiten", sagt sie. „In den Niederlanden werden etwa persönliche Themen viel offener angesprochen." Bei den Schülern kam der freundliche Ton gut an - und sie wissen noch etwas genau: Die Entscheidung, mit Sprachen zu arbeiten, war goldrichtig.



INFO
Sprachenvorteil
Nicht nur für die angehenden Kaufmännischen Assistenten sind die Niederländisch-Kenntnisse ein Vorteil. Erzieher, die an einem deutschen Berufskolleg ausgebildet sind und Niederländisch sprechen, werden in den Niederlanden gern an den so genannten Basisschulen (ähnlich wie Grundschulen) angestellt. Gertrud Robrecht will daher an der Lore-Lorentz-Schule ab Herbst für die Erzieher-Schüler einen Niederländisch-Kursus anbieten. Kurz bis mittelfristig sucht das Berufskolleg daher Niederländisch-Lehrer.

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