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Bildungsgang Erzieherinnen/Erzieher auf der Straße

Elf Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Erzieherbildungsganges wollten erfahren, was es heißt auf der Straße zu leben. Sie entschieden sich für drei Lebensbereiche, die man im Alltag so nebenbei wahrnimmt, und die ihnen im Grunde sehr fremd sind (mit Ausnahmen).

"Wir wollen erfahren, erleben, was es heißt,

Diesen drei Herausforderungen haben sich die jungen Frauen und der junge Mann an zwei Vormittagen in Düsseldorf gestellt. Nach einer gemeinsamen inhaltlichen Auseinandersetzung zum Thema und zu den einzelnen Erfahrungsbereichen, haben die Schülerinnen und Schüler ausgesprochen selbständig die Aktionen in die Hand genommen, was nicht unbedingt einfach war.

Die Rollstuhlfahrer besorgten sich von der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Motorik an der Brinkmannstraße zwei Rollstühle. Schon die Beförderung der Stühle in die Altstadt mit der Straßenbahn war ein aufregender Akt. Mit vereinter Kraft musste ein Stuhl samt Insassin über ein Geländer gehoben werden, um in die Bahn zu gelangen. Die Bewertung des gesamten Erlebnisses war unterschiedlich. Einzelne empfanden ihre Situation als Rollstuhlfahrer als nicht besonders schwierig. Sie waren sehr erstaunt über die vielen Unterstützungen und Zuwendungen durch Passanten.
Andere erlebten die Situation als sehr ambivalent. Einerseits die sehr vielen Hilfen, andererseits aber die in allen Situationen vorhandene Abhängigkeit. Der Besuch im Kaufhaus führte gar zu deutlichen Verunsicherungen und Irritationen.
Zwischen den Kleiderstangen verschwanden sie plötzlich. Sie konnten niemanden mehr sehen, weil sie so niedrig im Rollstuhl saßen, und sie wurden nicht mehr gesehen - unangenehm. Zartes oder ängstliches Rufen nach der Rettung!
Immer in diesen hilflosen, von anderen, fremden Menschen abhängigen Lebenssituationen zu sein, mochte man sich nicht vorstellen. "Oft habe ich daran gedacht, wie gut es mir doch geht, dass ich frei bin, mein Leben weitgehend selbst zu bestimmen mich nicht ständig in die direkte Abhängigkeit von anderen Menschen begeben muss."

Die Bettler nahmen über beide Tage insgesamt ca. 8,50 Euro ein. Sie hatten sich in wärmende, eher trostlose, aber funktionale Kleider gepackt. Sie hockten sich auf die Straße oder standen an Ecken, um aufeinen Geldbetrag zu warten. Ganz schön mutig! Viele haben uns angestarrt und dann wieder schnell weg geguckt. Manche ältere Männer verweilten, guckten, und wir hatten den Eindruck als wollten sie etwas geben; sie wurden von ihren Frauen weggezogen. Ein Kind staunte, und auch es wurde von der Großmutter weggezogen.

"Bauarbeiter beobachteten uns. Sie boten uns ihren Bauwagen zum Aufwärmen an. Das wollten wir aber nicht."
"Von einem Obdachlosen, der bereits 7 Jahre auf der Straße lebt, haben wir viel erfahren. Wir haben uns in diesem Zusammenhang gefragt, ob unsere Aktion überhaupt ethisch vertretbar ist. Wir lügen den doch an!" "Wir haben viel Zuneigung erfahren - oder Mitleid!? Man gab uns zu Essen. Ordnungshüter des Ordnungsamtes ließen uns in Ruhe. Eine Streetworkerin hat uns enttarnt. Sie hatte auch einige Zweifel daran, ob das, was wir da machen, ethisch richtig ist."
"Ein Leben auf der Straße, ständig, ohne hinreichendes Auskommen? Wir haben es als Glück bezeichnet, bald wieder zu Hause zu sein."Die Armenküchenbesucher wunderten sich über den hohen Andrang von Menschen, die sich aus eigener Kraft kein Essen beschaffen können. "Bei manchen waren wir auch im Zweifel, ob die überhaupt einen Anspruch darauf haben; schließlich waren die so gut gekleidet, dass man ihnen die Armut nicht ansah." "Eigentlich hat doch mit Hartz IV jeder in Deutschland ein sicheres Einkommen!? Das reicht aber wohl nicht!"
Wenn wir bedient haben, konnten wir ganz viele Formen des Dankens entdecken. "Danke"; Kopfnicken; In die Augen sehen...; .....
"Manche waren unbedingt darauf aus, sich mehr Essen zu besorgen, als ihnen zustand. Sie drängten sich immer wieder vor. Einige hatten geradezu eine richtige Forderungshaltung, manche aber schwiegen und waren froh, etwas bekommen zu haben."
"Diese Arbeit befriedigt, und sie scheint sehr notwendig zu sein. Ich könnte mir schon vorstellen eine solche ehrenamtliche Arbeit zu machen, wenn ich die Zeit dafür hätte. Vielleicht später einmal."

Düsseldorf, XI/07 (US)